Ernährungsblog

Barbara ist Diplom Oecotrophologin und bloggt über Ernährungsthemen mit den Schwerpunkten Abnehmen, Gewichts-Management, anti-entzündliche und anti-oxidative Ernährung.

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Ernährung news & tips - Blog

Bioaktive Olivenblätter - Tee für Gesundheit & Genuss

Geschrieben von Barbara Konitzer. Veröffentlicht in Garten.

Olivenblättertee

Im Herbst verfärben sich die Oliven auf Korsika durch ihren natürlichen Reifeprozess langsam von grün nach violette. Zwischen Dezember und März werden sie geerntet. Die herabgeschlagenen Oliven werden in Netzen aufgefangen und mit ihnen die herabfallenden Äste und Blätter. Letztere wurden lange ignoriert, erhalten jetzt aber umso mehr Aufmerksamtkeit. Wissenschaft und Naturheilkunde interessieren sich für die gesundheitsförderlichen Wirkstoffe der kleinen festen silber-grünen Olivenblätter. Schon mal Olivenblätter-Tee getrunken?

Olivenblätter - produktives und bioaktives Nebenprodukt
Olivenblätter fallen bei der Ernte und beim Ausschneiden der Bäume an. Bei der Olivenernte im Olivenhain und in den Olivenmühlen machen sie als „Nebenprodukt“ rund zehn Prozent des gesamten Erntegewichts aus. Beim Aus- und Zuschneiden der Olivenbäume können nochmal bis zu 25 kg Blätter pro Baum und Jahr (abhängig von der Baumgröße) hinzukommen. Eine beachtliche Menge an bioaktiver Biomasse, die da so nebenbei anfällt. (1)

Olivenblätter für die Gesundheit
Olivenblätter enthalten wie Olivenöl sekundäre Pflanzenstoffe. Oleuropein ist konzentrationmäßig die bedeutendste bioaktive Substanz der Olivenblätter (1). Oleuropein weist antioxitative, antimikrobielle, antivirale und anti-entzündliche Eigenschaften auf. Olivenblätter werden als phytotherapeutische Substanzen wegen ihrer phenolischen Verbindungen kommerzialisiert. In Form von Extrakten, als Pulver, als ganze oder gehäckselte Blätter. In der Antike wurden Wunden mit Olivenblättern desinfiziert und Infektionen behandelt. Im 19. Jahrhundert fanden sie bei Malaria und Bluthochdruck Anwendung. Oleuropein wird vom Olivenbaum zum Schutz vor Insekten und bakteriellem Schaden gebildet. Die Olivenpolyphenole Oleuropein und Hydroxytyrosol wirken sich positiv auf das Herz-Kreislauf-System und den Fett- und Cholesterinstoffwechsel aus. Eine verbesserte Insulinsensitivität (2) wird ebenfalls erwähnt. Oliven-Phenole wirken präventiv zur Vorbeugung von Krebs, entzündlichen Prozessen und als Antioxidantien gegen zellschädigende freie Radikale. Sie schützen Biomoleküle (DNA, Lipide, Proteine) vor Schäden durch Oxidation. Sie kommen sowohl in der Olive, als auch im Olivenöl vor und in hoher Konzentration im Olivenblatt. Die gesundheitsförderlichen Olivenblätter passen in Form von Olivenblättertee wunderbar in eine „bioaktive“ Ernährungsweise. Zusammen mit grünem Tee, Oliven- und Leinöl, Nüssen, Samen, Brokkoli, Kräuter, Gewürze, Hafer, Hülsenfrüchte, farbenfrohe Gemüse und Früchte. Wie wäre es mit einem Tässchen bioaktiven Olivenblättertee?

Bioaktive Olivenblätter im Tee - Gesundheit & Genuss
In Form von Tee ist es einfach in den Genuss dieser gesundheitsförderlichen Stoffe zu kommen. Olivenblättertee gewinnt als „bioaktiver Tee“ zunehmend an Beliebtheit. Er wird aus getrockneten Blättern hergestellt:

Als Infusion, AUFGIESUNG: Wasser kochen und Olivenblätter oder Olivenpulver damit übergießen und ziehen lassen. Abseihen.
Als Decoction, AUFKOCHEN (einer Substanz mit Flüssigkeit): Die Olivenblätter bzw. das Teepulver in kaltes Wasser geben und aufkochen. Ziehenlassen. Abseihen.

Die Phenolgehalte im Olivenblättertee variieren in Abhängigkeit vom Polyphenolgehalt der Olivenblätter, der Art der Zubereitung, der Einwirkzeit und der Dosis. Die Zubereitung (thermische Bearbeitung) als Olivenblätter-Tee wirkt sich grundsätzlich positiv auf die Extrahierbarkeit der phenolischen Verbindungen und die antioxidative Kapazität aus. Es gibt dazu eine wissenschaftliche Arbeit mit Messdaten: "Antioxidant Capacity and Phenolic Content in Olive Leaf Tisane as Affected by Boiling Treatment“ (3)

Genießen in verzehrsüblichen Mengen und gerne in Kombination
Olivenblättertee liegt im Trend und es finden sich zahlreiche Dosis-Empfehlungen. Es ist sinnvoll den Anweisungen der Hersteller zu folgen und Olivenblätter aus biologischer Produktion zu nehmen. Bei lose gekauften und fein gehäckselten Olivenblättern kommt man erfahrungsgemäß mit 2-4 g (1-2 TL) für ca. 250 ml Wasser geschmacklich ganz gut hin. Das einspricht in etwa einer kleinen Handvoll trockener Olivenblätter. Fünf bis fünfzehn Minuten ziehen lassen. Je länger er zieht, umso bitterer der Geschmack. In höheren Konzentrationen handelt es sich nicht mehr um ein gesundes Genussmittel, sondern um ein Therapeutikum und sollte in Absprache mit dem Therapeuten erfolgen. Nachdem es beim Teetrinken selbstverständlich um Genuss geht, ist es jedem selbst überlassen ein bisschen zu experimentieren. Mir ist Olivenblättertee pur zu bitter. Ich mische grob geschnittene Oliven-Blätter am liebsten mit einem kleinen Thymianzweig, gerne auch mit Zitronenverbene. Olivenblättertee harmoniert geschmacklich sehr gut mit Orangenblättern, Minze und anderen Gartenkräutern. Olivenblättertee mit Zitronensaft schmeckt ausgezeichnet. Probieren Sie es aus!

Olivenbäume auf Korsika
Noch im 19. Jahrhundert war die Olivenölproduktion eine der wichtigsten ökonomischen Aktivitäten auf der Insel Korsika. Im Zuge einer erneuten Welle der Landflucht im zwanzigsten Jahrhundert überließen viele Korsen ihre Olivenbäume ihrem Schicksal. Unzählige Olivenbäume, im Wildwuchs von trockenen Gräsern und Büschen, fielen schließlich den großen Bränden in den 80ziger Jahren zum Opfer. Hundertjährige Bäume, zum Teil noch von den Genuesen gepflanzt, brannten lichterloh. Die „Überlebenden“ des Infernos stehen krumm und mit rissiger Rinde in der Landschaft. Sie haben Brände und Perioden extremer Witterung überstanden, überlebten Generationen von Dorfbewohnern und sind wahrlich Symbole für Robustheit und Langlebigkeit. Wen wundert es, dass auch die Blätter der Bäume vor bioaktiver Kraft strotzen. Es wird wieder fleißig gepflanzt und die jungen Olivenhaine fangen an zu tragen. Unsere Bäume stehen in der Plaine d'Aregno (siehe Foto) und sind zwanzig Jahre jung. Ihre Blätter wurden viel zu lange von uns ignoriert. 

(1)file:///C:/Users/UTILISATEUR/Downloads/re-38_2012_aouidi_these_version_soutenance%20(1).pdf (abgerufen 07.10.2016)
Fathia Aouidi, These, 2012 : Etude et valorisation des feuilles d’oliviers Olea Europaea dans l’industrie agro-alimentaire
(2)https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3596374/ (abgerufen 07.10.2016)
(3) Im Anhang der Doktorarbeit, siehe Fussnote (1), ein Artikel zu "Antioxidant Capacity and Phenolic Content in Olive Leaf Tisane as Affected by Boiling Treatment“ (abgerufen 07.10.2016)
3Fathia AOUIDI*, Moktar "HAMDIfile:///C:/Users/UTILISATEUR/Downloads/re-38_2012_aouidi_these_version_soutenance%20(1).pdf
- http://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/magen_darm/chronische_darmentzuendungen/article/600848/olivenoel-colitis-ulcerosa.html (abgerufen 07.10.2016)
- http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=1354 (abgerufen 07.10.2016)
- Oliven, Eine Liebeserklärung an den Süden von Heidi Rauch, Dort-Hagenhausen-Verlag
- Olivenblatt-Extrakt, Rückbesinnung auf ein jahrtausendaltes Heilmittel von Josef Pies, vak-vital

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